Interview

Zwei Schweizerinnen mit besonderer Verbindung zum VP Bank Swiss Ladies Open

Die Überfliegerin und die Lokalmatadorin. Die Rede ist selbstverständlich von der Ostschweizerin Chiara Tamburlini und der Zugerin Elena Moosmann. Beide geben im folgenden Kurzinterview einen persönlichen Einblick auf ihre Erwartungen und Gedanken zum anstehenden Heim-Turnier.

Frage 1: Chiara Tamburlini, du kommst als Gewinnerin des Order of Merit 2024 und des Titels “Rookie of the Year” zurück nach Holzhäusern zum «Heimturnier» in die Schweiz. Vor dir ist es erst Dame Laura Da-vies (1985), Carlota Ciganda (2012), Esther Henseleit (2019), Jeeno Thitikul (2021), Linn Grant (2022) und Trichat Cheenglab (2023) geglückt, diese beiden Titel in der gleichen Saison zu gewinnen. Was hast du selbst für Gedanken zu deinen ausserordentlichen Leistungen oder lässt du das vielleicht gar nicht so an dich herankommen?
Antwort: Es ist ein ganz besonderes Gefühl, diese beiden Auszeichnungen in einer Saison gewonnen zu haben. Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, und das gibt mir viel Selbstvertrauen für alles, was noch kommt. Gleichzeitig versuche ich, mit beiden Füssen auf dem Boden zu bleiben. Jedes Jahr ist ein Neubeginn, mit neuen Herausforderungen und Zielen. Ich will mich ständig weiterentwickeln, an meinem Spiel arbeiten und mich nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen. Aber klar – wenn ich zurückblicke, erfüllt mich das mit grosser Dankbarkeit.


Frage 2: In Holzhäusern ist alles bereit für das 6. VP Bank Swiss Ladies Open. Du spielst auf der ganzen Welt beinahe im Wochen-Rhythmus Turniere. Was bedeutet es dir, im eigenen Land vor den heimischen Fans an den Start zu gehen und wo liegt deine Zielsetzung für das wichtigste Schweizer Golfturnier für Profi-Frauen?
Antwort: Das VP Bank Swiss Ladies Open ist für mich eines der emotionalen Highlights der Saison. Vor hei-mischem Publikum zu spielen, mit Schweizer Flaggen im Publikum, mit Familie und Freunden am Rande des Fairways – das ist einfach unbeschreiblich schön. Letztes Jahr war die Unterstützung in Holzhäusern überwältigend, ich habe jede Minute genossen. Natürlich träumt man davon, das Heimturnier zu gewinnen – das wäre etwas ganz Besonderes. Mein primäres Ziel ist es, die Woche zu geniessen, mein bestes Golf zu zeigen und mich von der Stimmung tragen zu lassen. Alles andere ergibt sich von selbst.


Frage 3: Es gibt Spielerinnen, die immer ein bestimmtes Plüschtier im Bag mit sich tragen. Andere schwören auf eine bestimmte Farbe der Kleidung für die Finalrunde oder haben ein ganz persönliches Ritual. Was ist für dich unverzichtbar, damit du dich bereit fühlst, deine persönliche Top-Leistung zu erbringen?
Antwort: Ich habe kein wirkliches Ritual. Was mir hilft, ist eine gute Vorbereitung, meine gewohnte Routine – und meistens höre ich Musik über Kopfhörer, um in den richtigen Modus zu kommen. Vielleicht ist genau das mein „Ritual“: ruhig bleiben, fokussieren und mich einfach wohlfühlen. Aber wer weiss – vielleicht kommt das Maskottchen ja noch.

Frage 1: Elena Moosmann, du bist seit 2023 als Professional unterwegs. Wie blickst du auf die Zeit seit deinem Übertritt und was ist anders als du es dir vor dem Schritt zu den Professionals vorgestellt hast?
Antwort: Das Schöne war, dass ich von Anfang an genau wusste, welche Turniere ich spielen kann. Die LET-Access war ein idealer Einstieg, mit dem klaren Ziel, vorne mitzuspielen – was mir gut gelungen ist. 2024 konnte ich mir dann eine volle Tourkarte sichern. Auf der LET fühle ich mich sehr wohl: Die Spielerinnen sind herzlich, wir verbringen auf und neben dem Platz viel Zeit miteinander und es haben sich echte Freundschaften entwickelt. Diese Mischung aus Sport, Wettkampf und Gemeinschaft gefällt mir sehr. Der Druck vorne mitzuspielen ist nicht grösser als bei den Amateuren, aber das Spielniveau ist deutlich höher. Jede Spielerin kann gewinnen – und schon zwei, drei Fehlschläge können das Verpassen des Cuts bedeuten. Das ist eine Erfahrung, die ich noch verarbeiten und gleichzeitig wieder mehr Lockerheit in mein Spiel bringen muss.


Frage 2: Dein Weg hat dich nicht über ein US-College zu den Professionals geführt, wie für viele deiner Berufskolleginnen. Du hast die Matura gemacht und dann die Spitzensport-RS in Magglingen absolviert. Was war für dich ausschlaggebend, einen anderen, deinen Weg zu gehen?
Antwort: Ich durfte schon sehr früh grosse Erfolge feiern – mit 14 Jahren war ich bereits in der Nationalmannschaft, mit 16 an den Youth Olympics und ich konnte mehrere Schweizer Meistertitel in verschiedenen Altersklassen gewinnen. Nach der Matura fühlte ich mich deshalb bereit, den Schritt ins Profi-Lager zu wagen. Die Möglichkeit, über das Militär meine Karriere zu fördern, ist in der Schweiz etwas Einzigartiges. In die Spitzensport-RS wird man nur aufgrund sportlicher Leistungen selektioniert – das wollte ich unbedingt nutzen. Ich bin stolz, diesen Weg gewählt zu haben und dabei auch mein Land zu repräsentieren.


Frage 3: Nun steht dein «Heimturnier» an. Was für Gedanken und Gefühle bringst du auf den Zugersee-Course in Holzhäusern mit an den Start, und worauf freust du dich ganz besonders?
Antwort: Auf meinem Heimplatz, dem Golfpark Holzhäusern, der Heimat des GC Ennetsee, spielen zu dürfen, ist jedes Mal ein Highlight. Da ich viel unterwegs bin, ist es etwas ganz Besonderes, zu Hause ein LET-Turnier zu haben. Am meisten freue ich mich auf die vielen bekannten Gesichter – Freunde, Familie und Unterstützer vor Ort. Auch wenn die Saison bisher nicht optimal läuft, spüre ich, wie viele Menschen hinter mir stehen. Das bedeutet mir enorm viel. Mein Ziel ist es, den Cut zu schaffen – und dabei die Energie und Unterstützung von zu Hause mitzunehmen. In den verbleibenden Turnieren dieser Saison will ich unter die Top 70 kommen, um mir erneut die volle Tourkarte für die LET-Saison 2026 zu sichern.